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Newsletter für Religionslehrkräfte im Bistum Münster

 
 

Guten Tag Anrede Name,

obwohl das aktuelle Schuljahr sich erst langsam seinem Ende nähert, wir alle wissen - frei nach Sepp Herberger - "nach dem Schuljahr ist vor dem Schuljahr". Daher thematisiert diese Ausgabe von UPDATE schon einmal die Themen "Neuanfang" und "Veränderung".

Bischof Dr. Heiner Wilmer fängt neu an, wenn er am 21. Juni als neuer Bischof von Münster eingeführt wird. Zu Beginn des neuen Schuljahres möchte er dann alle Schulanfängerinnen und Schulanfänger im NRW-des Bistums mit einer "Bischofspost" begrüßen.

Jeder Neuanfang braucht Mut - darum geht es im Beitrag zum Bilderbuch "Mutmurmeln für den ersten Schultag".

Auch die Hinweise aus der Mediothek thematisieren Neuanfang und Veränderung.
Hinweisen möchten wir außerdem auf die neue Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz zu den christlich-muslimischen Beziehungen in Deutschland, die diesjährige Tagung des Christlich-Islamischen Forums Religionspädagogik zum Thema "Religion und Social Media" und auf das Projekt "Munitionskiste wird Friedenskiste".
Das Buch "Herzensbildung" von Klaus Mertes, das wir zum Abschluss dieser UPDATE-Ausgabe rezensieren, ist vielleicht schon ein Tipp für die Sommerlektüre …

Wie immer freuen wir uns über Feedback zu unserem Newsletter UPDATE und auch zu unserem Fortbildungsprogramm!

Inhaltsverzeichnis

Post von Bischof Heiner!
Für alle Schulanfängerinnen und Schulanfänger im NRW-Teil des Bistums Münster

 


Unser neuer Bischof, Dr. Heiner Wilmer, möchte zu Beginn des neuen Schuljahres alle Schulanfängerinnen und Schulanfänger mit einer „Bischofspost“ begrüßen.

Hierfür wird ein Set mit vier Materialien für jeden Schulanfänger und jede Schulanfängerin im NRW-Teil des Bistums Münster kostenlos zur Verfügung gestellt.

Im Set enthalten sind

Alle Materialien sind sehr ansprechend gestaltet, ästhetisch, kindgerecht und inhaltlich durchdacht. Sie greifen zentrale Themen auf, die Kinder zum Schulanfang bewegen und auch für Eltern bedeutsam sind: Freundschaft, Zugehörigkeit, Begleitung und die Frage, was im Leben Halt und Orientierung gibt.

Über diesen Link kann das Material-Set bis zum 10. Juli 2026 bestellt werden.

Nach der Bestellung erhalten Sie eine Bestätigung Ihrer Bestellung per E-Mail.

Die Bischofspost wird ab dem 24. August 2026 per DHL versandt, sodass sie rechtzeitig zum Schulbeginn ankommt.

Begleitend findet am Montag, 29. Juni 2026, von 15.30 bis 16.15 Uhr eine Online-Informationsveranstaltung statt, während der die vier Materialien als zusammengehöriges Set vorgestellt werden. Thematisiert werden auch konkrete Impulse für den Unterrichtseinsatz und die Elternarbeit sowie erste Ideen, wie die Materialien im Schulalltag eingesetzt werden können.

Anmeldungen zu dieser Online-Veranstaltung sind HIER möglich.

Mutmurmeln
Das Bilderbuch "Mutmurmeln für den ersten Schultag" als Leitmedium für Einschulungsgottesdienste und die ersten Wochen im Religionsunterricht

 


Der erste Schultag ist ein besonderer Tag, dem viele Kinder mit gemischten Gefühlen entgegensehen. Neben Vorfreude und Neugier gehören auch Unsicherheiten dazu.

Der Übergang vom Kindergarten in die Schule eröffnet neue Möglichkeiten und Erfahrungen, bringt aber zugleich unbekannte Situationen und Herausforderungen mit sich, die Mut erfordern.

 

Genau dieser Erfahrung widmet sich das Bilderbuch "Mutmurmeln für den ersten Schultag" von Sarah Welk und Caroline Opheys (arsEdition, 2024). Es greift die Lebenswirklichkeit von Kindern auf und nimmt ihre Gefühle ernst. Anhand einer einfachen, für Kinder gut nachvollziehbaren Geschichte zeigt das Buch, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern sich trotz Unsicherheit auf Neues einzulassen. Damit holt das Bilderbuch Kinder in ihrer Situation rund um den Schulanfang unmittelbar ab und bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für Gespräche über Sorgen, gemeisterte Herausforderungen und persönliche Mutmacher.

Inhalt
Das Buch erzählt von den Nachbarkindern Lolle und Linus, die kurz vor ihrer Einschulung stehen. Während Lolle zwar aufgeregt, aber voller Vorfreude dem Schulbeginn entgegensieht, zeigt Linus Ängste und Unsicherheiten hinsichtlich der Einschulung. Er hegt Zweifel und stellt sich viele Fragen: Wie wird es in der Schule wohl sein? Kriege ich das alles geregelt? Linus steigert sich in seine Sorge hinein, indem er viele: „Was ist, wenn…?“-Situationen gedanklich durchspielt.

Lolle möchte Linus etwas von seiner Angst nehmen und hat eine originelle Idee: Sie erfindet eine Mutmurmel. 

Die Murmel fungiert als Symbolträger für gesammelte Mut-Erfahrungen. In vier unterschiedlichen Mutproben erleben die Kinder, dass sie schwierige Situationen bewältigen können. Der dabei erfahrene Mut wird symbolisch in der Murmel gespeichert und kann in neuen, herausfordernden Situationen wieder aktiviert werden. Mit jeder bestandenen Mutprobe füllt sich die Murmel weiter mit den gesammelten Mut-Erfahrungen der Kinder.

Als erstes sammeln die Kinder eine Mut-Erfahrung auf dem Kirschbaum: Sie klettern bis zum vierten Ast hinauf und überwinden dabei ihre Unsicherheit. Die Murmel wird dadurch mit Mut aufgeladen.

Als Nächstes wagen sich Lolle und Linus in einen dunklen Keller und harren dort einige Minuten aus. Auch diese Erfahrung erfordert Mut und stärkt die symbolische Kraft der Murmel.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, etwas Ekliges zu essen. Die Kinder entscheiden sich für Radieschen, die angeblich fast so ekelig wie Regenwürmer schmecken, und überwinden ihr Unbehagen. Auch dieser Moment des Überwindens wird symbolisch in der Murmel bewahrt.

Den Abschluss der Mutproben bildet ein heimlicher Klingelstreich beim Nachbarn. Auch dieser Situation stellen sich die beiden. Mit jeder gemeisterten Herausforderung wächst die Murmel als Symbol für die gesammelten Mut-Erfahrungen und erinnert die Kinder daran, dass sie bereits vieles geschafft haben.

So entsteht am Ende eine Kirschbaum-Keller-Radieschen-Mut-Murmel.

Mit dieser besonderen Murmel ist Linus für den Schulanfang bestens gerüstet, aber dann kommt alles anders als geplant.

Linus' Vater wirft abends beim Aufräumen die Mutmurmel in einen Eimer, indem sich schon ganz viele andere Murmeln befinden. Und nun?

Um sich sicher zu fühlen, muss Linus wohl jetzt alle Murmeln mit zur Schule nehmen.

Und dann kommt alles so, wie es kommen muss: Natürlich kippt der Murmeleimer um und alle Murmeln kullern durch die Gegend. Dabei stecken sich die Murmeln gegenseitig mit Mut an und geben ihre besondere Energie an alle anderen Murmeln weiter.

In der Schule darf sich jetzt jedes Kind eine Mutmurmel nehmen. Auch die Lehrerin nimmt eine - denn sie ist schließlich genauso aufgeregt wie die Kinder.

Nachdem jedes Kind nun eine Murmel hat, werden die übrigen Murmeln in einem Glas gesammelt. Und jeder, der zukünftig mal ein bisschen Extra-Mut braucht, darf sich dann eine Mutmurmel aus dem Glas nehmen.

Warum das Buch religionspädagogisch wertvoll ist
Das Bilderbuch zeigt: Angst vor neuen Situationen ist normal. Sie gehört zu neuen Herausforderungen dazu. Entscheidend ist nicht, ob Angst da ist - sondern wie man mit dieser umgeht.

Hier bietet die Geschichte eine konkrete Lösung an: Mut kann symbolisch gesammelt werden. Im Buch steht jede Murmel für eine herausfordernde, gemeisterte Situation, für eine kleine Erfahrung von "Ich habe es geschafft". "Mut" bleibt somit kein abstraktes Gefühl, sondern wird sinnlich erfahrbar.

Ängste werden nicht verdrängt oder versteckt, sondern werden ausgesprochen und miteinander geteilt.

In Verbindung mit stärkenden christlichen Ritualen wie dem Segen, eröffnet das Bilderbuch im Gottesdienst oder Religionsunterricht Erfahrungsräume, in denen Kinder spüren können: Du bist nicht allein unterwegs. Gott geht mit dir - auf dem Schulweg, in den Klassenraum und durch alle neuen Erfahrungen hindurch. So wird Zuspruch nicht nur erzählt oder vorgelesen, sondern gemeinsam erlebt und gedeutet.

HIER finden Sie Ideen für den Religionsunterricht zum Buch.
Auf das Buch bezogene Elemente für einen Gottesdienst finden Sie HIER.

 

Neuanfang und Veränderung
Hinweise aus der Mediothek

 


Die Mediothek des Bistums Münster hält eine Vielzahl von Medien zur Ausleihe und zum Einsatz im Unterricht bereit.

An dieser Stelle sei auf fünf Medien hingewiesen, die im Sinne der Thematik "Neuanfang und Veränderung" besonders gut eingesetzt werden können:

Der Postersatz "Geschichte einer Verwandlung" (GL-314.46-1 und -2) ist eine Ergänzung zur Arbeit mit dem Konzept "Pasquarellas Perlen". Anhand der Geschichte der Raupe Pasquarella und mit Hilfe verschiedenfarbiger Perlen kann man auf Erkundung einer neuen Welt gehen - dies kann die reale Welt, aber auch die Welt der Gefühle sein. Besonders geeignet ist dieses Medium für neue Gruppen/Klassen in der Grundschule oder in Klasse 5.

Zum Thema "Wege und Übergänge" empfiehlt sich das Heft "was+wie - Auf die Plätze - fertig - los" (UME 26/2/24). Hierin sind Unterrichtsvorschläge für die Grundschule und ein Gottesdienstvorschlag für den Einstieg in die erste Klasse zusammengestellt.

Den Themen "Vielfalt" und "anders sein" widmet sich das Heft "Grundschule Religion. Vielfalt stärken" (UME-298-88) mit diversen Anregungen für den Wiedereinstieg in den Religionsunterricht für verschiedene Klassen in der Grundschule. Besonders für den Einstieg in das neue Schuljahr empfohlen sei aus derselben Zeitschriftenreihe das Extra-Heft "Kinder stärken" (UME 298-88).

Gesprächseinstiege, gerade mit neuen Lerngruppen in der Mittelstufe, bietet das Kartenset "Was mich trägt - Inspirationskarten für Jugendliche" (MP-107-1). Den Karten sind methodische Anregungen beigefügt.

Das Impulskartenset "Ora et labora. Kompass der Lebenskunst" bietet eine Umsetzung von Kernwörtern der Benediktsregel in einzelne Wörter und ästhetisch anspruchsvolle Bilder. Verschiedene Methodenvorschläge sind beigefügt und erschließen das Bildmaterial für die Arbeit mit Jugendlichen ab ca. 14 Jahren. (GL-332-1)

Christlich-muslimische Beziehungen in Deutschland
Neue Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz

 


Die Frage nach dem Verhältnis zum Islam ist für die katholische Kirche in Deutschland nicht neu (seit 1982 hat die DBK insgesamt drei Handreichungen zum Zusammenleben von Christen und Muslimen heraus-gegeben).


In den vergangenen Jahren hat sich das muslimische Leben in Deutsch-land aber weiterentwickelt. Auch der starke Fokus, den Papst Franziskus auf die christlich-muslimische Begegnung legte, hat Auswirkungen auf das Dialoggeschehen in Deutsch-land.

Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Bischofskonferenz eine neue Arbeitshilfe zum christlich-muslimischen Dialog veröffentlicht. Sie vermittelt grundlegendes Wissen und beleuchtet die spezifischen Gegebenheiten des deutschen Kontextes.

Ebenso ist sie als „Dialog-Kompendium“ angelegt, das praktische Hinweise zu Einzelfragen des Zusammenlebens von Christen und Muslimen gibt. Adressaten sind neben Multiplikatoren des interreligiösen Dialogs alle, die mit Fragen der christlich-muslimischen Begegnung zu tun haben oder sich dafür interessieren.

Die Arbeitshilfe kann HIER kostenlos als pdf heruntergeladen werden.

Als Broschüre kann die Arbeitshilfe über die Internetseite der DBK bestellt werden.

Insta, TikTok, YouTube -
Religion und Social Media
Perspektiven der evangelischen, islamischen und katholischen Religionspädagogik auf aktuelle Lebenslagen junger Menschen

 


Soziale Medien sind zentrale Kommunikations- und Lernräume für junge Menschen. Religiöse Inhalte werden geteilt, kommentiert, hinterfragt und neu interpretiert - oft jenseits etablierter Institutionen. Für den Religionsunterricht eröffnet dies neue Möglichkeiten des Dialogs, stellt Religionslehrer/innen jedoch zugleich vor pädagogische und theologische Herausforderungen.

Die Tagung des Christlich-Islamischen Forums Religionspädagogik (CIFR) am 6. Oktober 2026 (9 bis 17 Uhr) im Franz Hitze Haus in Münster richtet sich an christliche und muslimische Religionslehrkräfte und versteht sich ausdrücklich als ein Forum für interreligiösen Austausch über die schulische Praxis. Ziel ist es, über die Wahrnehmungen von Religion in sozialen Medien aus beiden Traditionen zu sprechen und voneinander zu lernen, im Blick auf die eigene religiöse Position ebenso wie auf die schulische Praxis und Herausforderungen für das religiöse Lernen.

Termin
Dienstag, 6. Oktober 2026, 9 bis 17 Uhr

Ort
Akademie Franz Hitze Haus, Münster

Referenten/innen
Sophia Drüing
, Bischöfliches Generalvikariat Münster, Abt. Religionspädagogik
Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Islamisch-Theologische Fakultät, Universität Münster
Cathrin Müller, Religionslehrerin an einem Berufskolleg, Bocholt
Dr. Heiko Overmeyer, Bischöfliches Generalvikariat Münster, Abt. Religionspädagogik
Maria Scheffer, Bischöfliches Generalvikariat Münster, Abt. Religionspädagogik
Abdulkerim Şenel, Islamisch-Theologische Fakultät, Universität Münster
Luisa Wellems, Evangelisch-Theologische Fakultät, Universität Münster

Kosten
60 Euro

Anmeldung
Akadmie Franz Hitze Haus, Münster

"Munitionskiste wird Friedenskiste?"
Einblicke und Hintergründe zum Adventsprojekt 2025

 


Die Abteilung Religionspädagogik wollte mit dem Projekt "Munitionskiste wird Friedenskiste?" einen konkreten Anlass schaffen, in der Schule über das Thema "Frieden" neu und anders ins Gespräch zu kommen, die Frage nach dem Frieden heute neu zu stellen und ihr vor dem Hintergrund der weihnachtlichen Friedensbotschaft kreativen Ausdruck zu verleihen.

In dieser Ausgabe von UPDATE stellt Daniela Evels die Umsetzung des Projektes an der Papst-Johannes-Schule, Münster, vor.

Erste Religionsstunde
Wir sitzen alle zusammen im Stuhlkreis und neben dem Tisch mit der gestalteten Mitte, liegt etwas unter einer Decke…. Die Schülerinnen und Schüler raten was darunter sein könnte, aber zunächst hat niemand eine Idee. Danach fühlen die Kinder, was unter der Decke steckt, und sie ertasten und benennen "Kiste" und "aus Holz". Dann öffnet eine Schülerin die Kiste. Ich erzähle, wofür diese Kiste "früher" genutzt wurde. Die Schülerinnen und Schüler sind erstaunt. Wir überlegen, welchen Namen wir der Kiste geben können, denn die Schüler/innen sind sich einig: "Krieg und Schießen ist doof." Zum Ende lesen wir ein Friedensgebet.

Zweite Religionsstunde
Nachdem wir uns gemeinsam auf die Bezeichnung "Friedenskiste" geeinigt haben, wird die Kiste von Schülerinnen außen bemalt. Andere Schüler suchen passende Holzbuchstaben für das Wort "Friedenskiste" und gestalten damit den Deckel der Kiste.

Dritte Religionsstunde
"Weihnachtszeit - Friedenszeit" ist das inhaltliche Thema der Schule im Advent. Bei der Adventsfeier stellen Schülerinnen und Schüler der Gruppe O4 die Friedenskiste der Schulgemeinde vor und was sie für den lebendigen Adventskalender überlegt haben:

  • Sie haben in den Deckel der Friedenskiste das Wort "Frieden" in vielen verschiedenen Sprachen geschrieben. Denn an der Papst-Johannes-Schule gibt es viele verschiedene Nationalitäten, die hier friedlich zusammen lernen.
  • Und sie haben ihre Klassentür zum Thema passend gestaltet.

Abschluss der Reihe "Friedenskiste"
Die Schüler/innen der Gruppe haben für die gesamte Schulgemeinde Plätzchen gebacken. Diese wurden beim Weihnachtsgottesdienst verteilt, so erinnern sie auf köstliche Weise an die Friedensbotschaft.

Daniela Evels
Papst-Johannes-Schule, Münster

Daniela.Evels@pfm.bistum365.de

 

Herzensbildung
Rezension

 


Zu meinem Dienstantritt in der Abteilung Religionspädagogik im vergangenen Jahr empfahl mir ein ehemaliger Schulleiter das Buch "Herzensbildung" von Klaus Mertes.

Der Titel brachte mich zum Schmunzeln: "Herzensbildung" - wie soll das "Herz" "gebildet" werden? Meine Neugier war geweckt. Ich wollte wissen, was der Autor mit diesem Begriff verbindet, der auf den ersten Blick wenig mit einem Bildungs-verständnis zu tun hat, das heute vor allem Kompetenzen, Leistung und Funktionalität betont.

Klaus Mertes, Jesuit und langjähriger Schulleiter, entfaltet in seinem Buch die These, dass Bildung mehr sein muss als Ausbildung.

Ausgehend vom Gleichnis des barmherzigen Samariters beschreibt er das Zusammenspiel von Vernunft und Herz und greift dabei auf die ignatianische Tradition zurück. Bildung, so seine Überzeugung, könne nicht allein auf rationales Wissen und messbare Kompetenzen reduziert werden.

Besonders eindrücklich wird dies in seiner Kritik an einem funktional verkürzten Bildungsverständnis, das sich seit dem PISA-Schock zunehmend durchgesetzt habe. Am Beispiel eines Schulorchesters zeigt Mertes, dass nachhaltiges Lernen nicht durch das Anstreben einzelner Fertigkeiten oder Kompetenzen erreicht werde. Niemand übe jahrelang Tonleitern, nur um Tonleitern zu beherrschen. Die Motivation entstehe vielmehr aus der Freude am gemeinsamen Musizieren. Der Lernwille brauche den "Umweg" über das Übernützliche, damit Schülerinnen und Schüler sich selbst bilden könnten.

Daraus entwickelt Mertes sein Plädoyer für "Medien der Selbstbildung" - Erfahrungsräume in Kunst, Sport, Naturwissenschaften, sozialem Engagement oder spiritueller Praxis, in denen junge Menschen ihre Freiheit und Würde als handelnde Subjekte entdecken können. Weitere Themen des Buches sind das Menschenbild, die Lehrer-Schüler-Beziehung, Digitalisierung, Schulkultur sowie die Bedeutung von Ritualen und Stille im Bildungsprozess.

Abschließend stellt Mertes Grundgedanken der ignatianischen Spiritualität als ein "Curriculum der Herzensbildung" vor.

Mit großem Interesse habe ich Mertes' Ausführungen gelesen. Obwohl er verschiedene schulische Beispiele anführt, findet man hier keine konkreten Unterrichtsideen oder pädagogische Handlungsanweisungen. Vielmehr lädt das Buch dazu ein, die eigenen Bildungsziele und die eigene pädagogische Haltung zu reflektieren.

Mitunter bleiben die Überlegungen bewusst grundlegend; die Frage, wie sich diese Impulse unter den Bedingungen einer zunehmend pluralen Schule konkret umsetzen lassen, wird nur angedeutet. Dennoch formuliert Mertes eine notwendige Gegenstimme zu den ökonomischen Blickverengungen, die schulische Bildungsdebatten häufig prägen.

Gerade Religionslehrerinnen und Religionslehrer werden sich von diesem Buch herausfordern lassen. Nicht zuerst ihren Unterricht zu verändern, sondern den Blick zu richten auf das, was Bildung im Kern ausmacht, darauf, dass Bildung mehr ist als Qualifikation und dass Schule Räume eröffnen muss, in denen junge Menschen Sinn, Freiheit und Verantwortung entdecken können. Klaus Mertes gelingt es auf unprätentiöse Weise, an den Wert dieses "Übernützlichen" zu erinnern.

Eine lohnenswerte Lektüre - nicht zuletzt als Einladung, die eigenen pädagogischen Motive und spirituellen Quellen neu zu entdecken.

Maria Scheffer


Klaus Mertes:
Herzensbildung. Für eine Kultur der Menschlichkeit
Freiburg im Breisgau 2024 (Herder), 160 Seiten, 978-3-451-39792-9

Wir wünschen Ihnen einen möglichst stressfreien "Schlussspurt" und anschließend sonnige und erholsame Sommerferien!

Für die Abteilung Religionspädagogik
i. A.

Dr. Heiko Overmeyer
stellv. Leiter der Abteilung Religionspädagogik

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